Hospizarbeit in der Öffentlichkeit

  • „Es ist nach wie vor noch eine Tabuzone, die viele nicht betreten wollen, doch wir wollen das ändern“, erklärte Uwe Jahn unlängst im Neustrelitzer Hospiz. Im Pflegezentrum „Luisendomizil“, begrüßte im Oktober der DRK-Geschäftsführer unseres DRK-Kreisverbandes Künstler sowie Frauen und Männer, die direkt oder durch Angehörige mit der Hospizarbeit verbunden sind. Vor 18 Monaten eröffnete das DRK das stationäre Hospiz in Neustrelitzer „Luisendomizil“ und es bietet seitdem sterbenskranken Menschen einen Ort, an dem sie ihre Lebenstage genießen und in Würde sterben können. Hierfür stehen zehn Gästezimmer zur Verfügung, in denen die Bewohner, auch in Anwesenheit ihrer Angehörigen, leben können und nach medizinischen Standards betreut werden. „Doch diese Pflegeleistungen, die für die Gäste kostenfrei sind, nehmen ein jährliches Budget von über 600000 Euro in Anspruch“, erläuterte Uwe Jahn. Hiervon tragen die Krankenkassen 90 Prozent, den Rest muss das DRK aufwenden. Um den Eigenanteil etwas abzufedern, hat das Hospiz das Projekt „Kunst im Leben“ angeregt. Dafür konnten vier Künstler gewonnen werden, die am 2. November mit einer Vernissage die erste Galerie-Ausstellung im Luisendomizil eröffnen werden. „Die Maler Daniela Lüers, Reinhard Graefe und Hans Schott sowie der Fotograf Mirko Runge sind Kunstschaffende aus der Region, die sich an der ersten Serie von ,Kunst im Leben‘ beteiligen“, sagt Jahn. Ihre zeitgenössischen Kunstobjekte werden den Lebensalltag im Hospiz sowie die unterschiedlichsten Aspekte der Arbeit mit Sterbenden zeigen. „Durch ,Kunst im Leben‘ soll das Tabuthema, das sich mit Leben, Sterben und Hospiz befasst, enttabuisiert werden“, wünschte sich der DRK-Geschäftsführer.


Das Hospiz steckt in Geldnöten - Ein Artikel aus dem Nordkurier

Das Neustrelitzer Hospiz schlägt Alarm. Die Einrichtung ist auf Spenden angewiesen. Genau genommen müssen rund 70 000 Euro im Jahr über diesen Weg fließen. In der Region ist das fast nicht machbar. Und dennoch sollen hier Sterbenskranke ihre letzten Tage in Würde verbringen können - kostenlos.

Übers Sterben spricht niemand gern. Doch Yvonne Neumann und Yvonne Bendrich machen dies aus Berufung. Sie arbeiten im Neustrelitzer Hospiz und werben für die Sache. "Zehn Prozent der anfallenden Kosten müssen wir selbst finanzieren", macht Pflegedienstleiterin Yvonne Neumann die Schwierigkeiten deutlich. Sie hat eine Einladung von Neustrelitz' Bürgermeister Andreas Grund angenommen und vermittelt ihr Anliegen dem Sozialausschuss der Stadt. Rund 70 000 Euro benötigt das Hospiz im Jahr, um ihren Anteil an der Finanzierung der Herberge zu leisten. Geld, das zumeist aus Spenden fließen muss. Ein schweres Unterfangen in der Region, machen die beiden Frauen deutlich.

15 Mitarbeiter und fünf ehrenamtliche Helfer sorgen in der Einrichtung dafür, dass sterbenskranke Menschen ihre letzten Tage, Wochen oder manchmal auch bis zu einem Jahr in Würde in Neustrelitz verbringen können. Für die Bewohner ist dies kostenlos. Finanziert wird das Hospiz hauptsächlich durch die Krankenkassen und Pflegekassen. 600 000 bis 700 000 Euro Gesamtkosten fallen pro Jahr an. Allerdings ist das Deutsche Rote Kreuz (DRK) als Träger der Einrichtung dazu verpflichtet, zehn Prozent der anfallenden Kosten selbst zu finanzieren. Und genau da steckt die Schwierigkeit. Gerade weil niemand gern über den Tod spricht, ist es nicht leicht, Spendengelder einzufordern, machen die beiden Frauen deutlich. Damit allein sei zudem noch kein Luxus in dem Haus gleich hinterm Krankenhaus möglich. Nur um die  Zimmer zu malern, sei das Hospiz auf Hilfe angewiesen. "Malerfirmen haben uns die Renovierung von drei Zimmern spendiert", betont Sozialarbeiterin Yvonne Bendrich. Doch weitere sieben Zimmer haben noch immer einen braunen Teppich und weiße Tapeten. "Alles was bei uns ein bisschen nach Luxus aussieht, ist nur durch Spenden möglich geworden", verdeutlichen sie die Situation. Das fange bei der Hollywoodschaukel auf der Terrasse an und höre bei den Tapeten immer noch nicht auf.

Doch die Finanzen sind nicht das Problem allein. Auch Unterstützung ist immer wieder gefragt. Derzeit arbeiten Krankenschwestern, Altenpfleger und Helfer und ein Auszubildender in der Einrichtung. Fünf ehrenamtliche Helfer gibt es, wissen die Frauen zu schätzen. "Wir könnten noch mal so viele gebrauchen."

Dabei wird im Neustrelitzer Hospiz für die Bewohner alles möglich gemacht, was irgendwie geht. Pflege und Betreuung für die Sterbenden sind rund um die Uhr abgesichert. Tiere dürfen mit ins Haus. Von Hund bis Papagei ist schon alles vertreten gewesen. Gäste dürfen zu jeder Zeit kommen. In jedem Zimmer gibt es zudem ein Gästebett. Doch den Mitarbeitern gehen nun langsam die Ideen aus, um an Spendengelder zu kommen. Deshalb senden sie einen Hilferuf an die Mitglieder des Sozialausschusses, für die Sache zu werben, aber auch an Unternehmen in der Region, das Vorhaben nach ihren Möglichkeiten finanziell zu unterstützen. Die Stadt selbst hat keine Möglichkeiten der Förderung. Doch die Mitglieder des Sozialausschuss waren sich einig, dass für die Sache geworben werden muss. 100 bis 115 Bewohner im Jahr verbringen ihre letzten Tage im Neustrelitzer Hospiz. Dabei handelt es sich ausschließlich um sterbenskranke Menschen, die keine Aussicht auf Heilung haben, aber ein Recht, in Würde zu sterben.

 

Strelitzer-Zeitung -Anett Seidel- vom 10.06.2015

 

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