Den Berührungsängste gestellt

  • Eine Abordnung Landesverbandes der Linken besuchte das Neustrelitzer Luisendomizil, unter ihnen auch Heidrun Bluhm (2. v.l.), Mitglied des Deutschen Bundestages. Im Gespräch mit Sascha Zwerg (2.v.r.) und Yvonne Neumann informierten sich die Politiker über das Leben und Arbeiten im Hospiz.

     

  • Heidrun Bluhm zu Besuch im Hospiz

Landesverbandes der Linken besucht das Hospiz

„Wer spricht schon gerne über das Sterben?“ So ist es auch nicht verwunderlich, dass die wenigsten Kontakt mit einem Hospiz haben – außer wenn die eigene Familie betroffen ist. „Ich war vorher noch nie in einem Hospiz“, musste auch Heidrun Bluhm, Mitglied des Deutschen Bundestages, in dieser Woche eingestehen. Bedächtig setzte die Vorsitzende des Landesverbandes MV der Linken in Begleitung weiterer Fraktionsmitglieder die ersten Schritte in das Neustrelitzer Luisendomizil. Doch die Berührungsängste wurden den Gästen schnell genommen. Denn Heimleiter Sascha Zwerg, Pflegedienstleiterin Yvonne Neumann und Sozialarbeiterin Yvonne Bendrich haben es in den zurückliegenden vier Jahren verstanden, das Tabuthema Sterben, Tod und Trauer in den Fokus der Öffentlichkeit zu führen. „Mit unseren 18 Fachschwestern und einer Sozialarbeiterin versorgen und betreuen wir die Bewohner unserer zehn Gästezimmer“, erklärte Sascha Zwerg. An den jährlichen Kosten von gut 800.000 Euro brauchen sich die Frauen und Männer, die ihren letzten Lebensabschnitt im Hospiz verleben, nicht zu beteiligen. „Die Finanzierung erfolgt über die Krankenkassen. Wir als Kreisverband müssen allerdings jährlich einen Eigenanteil von zehn Prozent berappen“, so der Heimleiter. Das ist auch den Politikern klar, die derzeit eine Gesetzesvorlage bearbeiten. Mit der angestrebten Änderung würde der Anteil der Krankenkassen auf 95 Prozent steigen. „Das wäre wirtschaftlich eine große Erleichterung“, so Sascha Zwerg, der nur zu gut weiß, dass es sehr schwer ist, jedes Jahr Spendengelder in Höhe von 80.000 Euro zu akquirieren. Über Zuwendungen von Firmen und Privatpersonen erreichen wir im Schnitt die Hälfte der Summe, den Rest deckt unser Kreisverband“, erläutert Zwerg. „Aber wir betreiben das Hospiz nicht aus wirtschaftlichen Aspekten, denn hier geht es um den Menschen“, fügt der Rotkreuzler an. Und dass der Mensch im Vordergrund steht, merkt man jeden Tag im Neustrelitzer Hospiz. „Sicherlich ist hier die Endlichkeit allgegenwärtig, aber das Leben spielt eine weitaus größere Rolle“, erklärt Yvonne Neumann. So werden Herzenswünsche erfüllt, die so manche Freudenträne hervorbrachte. So erfuhren Heidrun Bluhm und ihre Begleiter von Angelausflügen, Truckerfahrten oder Menschen, die einfach im Pflegebett auf der Terrasse die Natur erlebten. „Hierbei unterstützen uns auch fünf ehrenamtliche Helfer“, so Sascha Zwerg. „Und der Kreisverband selbst schöpft sein komplettes Netzwerk aus, um den Bewohner in jeglicher Lage zu helfen“ ergänzte der Leiter, der auf den ambulanten Hospizdienst, das Palliativteam und anderen Pflegeeinrichtungen einging. Denn, auch wenn es an diesem Tag drei Todesfälle gab, sind auch schon Bewohner wieder ausgezogen. „Sicher ist es eher selten, aber viele unserer Bewohner blühen durch die Zuwendung, die sie Tag für Tag erfahren wieder auf“, erläuterte Yvonne Neumann. Ergriffen von den Eindrücken, die Heidrun Bluhm sammelte, wollte auch sie ein Stück zum würdevollen Lebensabend beitragen. Dies tat sie mit einer 100 Euro –Spende aus der eigenen Tasche und dankte den Mitarbeitern für ihr Engagement.

 

08.07.2015

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